Mittwoch, 20. Oktober 2010

Jagdlich on tour

Wir waren am Samstag und am Montag jagen.

Im Samstagsrevier schleichen auch Sauen herum, nur kann leider ein Terrier alleine diese auch mit anhaltendem Standlaut auch nicht zum rücken bringen. Besagter Terrier war meiner. Es waren 2 Laufhunde und noch ein anderer Terrier vor Ort; letzterer geht Sauen gründlichst aus dem Weg, von den Laufhunden wollen wir erst gar nicht sprechen, die haben ihre Qualitäten in anderen Gebieten:-)

Die betrübliche Strecke eines trüben, nassen Tages war dann ein Fuchs. Die wenigen Rehe, die auf die Läufe kamen, flogen in fast überschallartiger Geschwindigkeit an den Schützen vorbei, so dass die Flinten allesamt unten blieben. Dennoch wars ein schöner Jagdtag in sehr netter Gesellschaft, leckerem Mittagsaser und einem abendlichen Chili-con-Carne, das mir der Schärfe wegen Tränen in die Augen trieb:-) Insgesamt aber gute Arbeit von Havanna, auch wenn sie am Abend sehr, sehr müde war und ihre Ballen arg gelitten hatten.

Am Montag dann Einladung im Revier fast vor der Haustüre. Wieder sehr, sehr nette Gesellschaft, die meisten Schützen kannten wir, die Pächter ohnehin. Ein fröhliches Hallo allseits. Rehwild war einiges vorhanden, nach dem ersten Treiben etwas lange Gesichter. 2 Tiere mussten bereits nachgesucht werden. Ein Tier konnte auch gleich vom Profi-Gespann 50m nach Anschuss gefunden werden, das andere Tier wurde am Mittag nachgesucht, da die Schuss- und Pirschzeichen sehr speziell waren und eine anspruchsvollere Nachsuche vermutet wurde.

Ich selber hatte immer wieder mal kurz Anblick, jedoch war das Wild entweder zu weit für einen sicheren Schrotschuss (maximale Schussdistanz sind 30m), oder dann in Verlängerung zum Nachbarschützen, so dass die Flinte natürlich unten blieb. Havanna arbeitete wiederum sehr fleissig zusammen mit der Wachtelhündin Baila, die hervorragend jagte, machten sie es dem Rehwild doch etwas ungemütlich in ihren Einständen. Nach dem 4. Treiben kehrte Havanna dann aber bereits nach 20min zu mir an den Stand zurück, völlig kaputt, sie lahmte stark und ihre Nase war komplett dornenverkratzt. Armes Schwein. Beim allerletzten Treiben packte ich sie also in die Fleecedecke und in den Rucksack hinter mir ein. Auch Baila hatte Feierabend.

Diana war dann auch mir hold; ich konnte eine Geiss auf perfekte Schrotschussdistanz erlegen. Sie lag im Knall. Noch während sie zusammenbrach, schoss Havanna hinter mir hervor und fasste das Tier an der Kehle, um eine allfällige Flucht im Ansatz zu unterbinden. Noch während sie hielt, dann die bittere Erkenntnis für mich, dass ich ein führendes Tier erlegt hatte, ihr Kitz ging flüchtig ab, dieses war für mich vor dem Schuss nicht sichtig hinter einer Buchendickung versteckt.

Lange sass ich dann neben der Geiss. Wie hingebettet lag sie da. Friedlich. Ich legte meine Hand auf ihre Stirn, die Tränen flossen. Still hielt ich Totenwache, still führte ich mein Abschiedsritual durch. Havanna sass ruhig neben mir, als schien sie zu verstehen.

Es zeigt mir sehr deutlich auf; ja, wir Menschen sind fehlbar. Ich traf eine Entscheidung, doch vielleicht war es die Falsche. So ganz richtig freuen konnte ich mich nicht. Es wäre aber auch unfair, zu hadern und die Entscheidung zu leugnen oder nicht zu erwähnen. Das hat die Geiss nicht verdient, vergessen zu werden, nicht über sie geschrieben zu haben... R.I.P.

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